Heringsfang ohne MSC-Siegel
24.09.2018 15:40
von FIRE&FOOD

Heringsfang ohne MSC-Siegel

 

Rostock/Sassnitz (dpa) - Die Heringsfischer in der westlichen Ostsee dürfen ihre Fänge ab sofort nicht mehr als Öko-Fisch verkaufen.

Weil es dem Heringsbestand in der westlichen Ostsee nicht gut geht, haben Fischer aus Deutschland, Dänemark und Schweden mit Wirkung zum 21. September 2018 das MSC-Siegel verloren. Die Fischer dürfen Hering, der ab dem 21. September angelandet wird, nicht mehr mit MSC-Siegel verkaufen. Ursächlich für die Situation sind neu definierte wissenschaftliche Referenzwerte und eine anhaltend schwache Nachwuchsproduktion des Heringsbestands. „Der MSC Umweltstandard verbietet die Befischung von Beständen, die keine nachhaltige Größe haben und in ihrer Regeneration beeinträchtigt sind. Dies ist nach neuen wissenschaftlichen Berechnungen derzeit beim Hering in der westlichen Ostsee der Fall“, so Stefanie Kirse, Leiterin des MSC Deutschland, zur Suspendierung der Fischereien.

Im Frühsommer 2018 hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) den Mindestwert für die notwendige Biomasse an erwachsenen Heringen in der westlichen Ostsee von 90.000 Tonnen auf 120.000 Tonnen heraufgesetzt. Damit rutschte der Heringsbestand, der aktuell eine Größe von etwa 105.000 Tonnen aufweist, unter den Referenzwert für einen gesunden Bestand. Als Ursache für die angespannte Situation des Heringsbestands in der westlichen Ostsee gilt vor allem seine anhaltend schwache Nachwuchsproduktion. Diese soll nach aktuellen Untersuchungen des Rostocker Thünen Instituts für Ostseefischerei möglicherweise in direktem Zusammenhang mit einer Erhöhung der Wassertemperaturen in der westlichen Ostsee stehen.

Einkommenseinbußen und Fangquotensenkungen stehen bevor

Der Hering macht derzeit 37% der kommerziellen Anlandungen der deutschen Küstenfischerei aus. Mit Ausnahme der kleinen Gruppe der Stellnetz-Fischer waren bis zur aktuellen Suspendierung fast alle deutschen Heringsfischer MSC-zertifiziert. Durch den Verlust des MSC-Siegels erwarten sie nun Absatzprobleme und Einkommenseinbußen, denn in Deutschland kaufen Handel, Hersteller und auch Verbraucher zunehmend Fisch, der mit dem MSC-Siegel gekennzeichnet ist. Neben dem Verlust des Umweltsiegels steht den Heringsfischern demnächst auch erneut eine drastische Fangquoten-Senkung bevor. Die EU Kommission empfiehlt aktuell eine Senkung um 63%. Im Gegensatz zur westlichen Ostsee geht es dem hiesigen Nordsee Heringsbestand derzeit deutlich besser.

 

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