Wird Rindfleisch zum Luxusgut?
Die Rindfleischpreise kennen derzeit nur eine Richtung. Steil nach oben. FIRE&FOOD ist auf Ursachensuche gegangen. Mangels Nachfolger und damit verbunden die Aufgabe von vielen Höfen, aber auch der überbordende Bürokratieaufwand und die hohen Produktionskosten in Deutschland und der EU sind Gründe dafür, dass die Viehbestände zurückgehen.
Bei konstanter Nachfrage und einem reduziertem Angebot bedeutet dies nach den Gesetzen des Marktes steigende Preise. Die Angst der heimischen Landwirtschaft vor dem Mercosur-Abkommen, welches einigen südamerikanischen Ländern ermöglicht, etwas mehr Fleisch als bisher nach Europa zu exportieren, wird die europäische Rindfleischproduktion kaum in Bedrängnis bringen. Achten die Europäer weiterhin auf die Qualität in der Erzeugung, vom Bauer bis zum Schlachthof, hat man beim Verbraucher bei dauerhaft höheren Preisen, die besten Karten. Besonders beim Steakfleisch wünscht sich der Fleischliebhaber ein gereiftes Stück Fleisch, zart und mit viel Geschmack, welches er mit gutem Gewissen geniessen kann. Hier besteht beim europäischen Steakfleischangebot noch Luft nach oben. Die Möglichkeit mit einer garantierten Genuss-Qualität für Steaks sollte besser und transparenter umgesetzt werden.
Steigende Nachfrage vom US Markt treibt die Rindfleischpreise
Im Jahr 2025 importierten die USA insgesamt 1,61 Millionen Tonnen Rindfleisch (Produktgewicht), was einem Anstieg von 9% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Obwohl Argentinien derzeit nur 2,4% dieser Käufe ausmacht, deuten aktuelle Daten auf einen massiven Wandel hin.
Wichtigste Rindfleischlieferanten der USA (2025):
- Australien: 460.000 Tonnen
- Kanada: 275.000 Tonnen
- Brasilien: 232.000 Tonnen
- Mexiko: 230.000 Tonnen
- Neuseeland: 180.000 Tonnen
- Argentinien: 39.000 Tonnen
Im Januar 2026 explodierten die argentinischen Lieferungen in die USA regelrecht und stiegen im Jahresvergleich um 118% auf 5.900 Tonnen in nur einem Monat. Wenn Argentinien seine neue Gesamtkontingentsmenge von 100.000 Tonnen ausschöpft, wird es auf Rang 7 unter den weltweiten Lieferanten aufsteigen. Trotz Bedenken einiger lokaler Produzenten argumentieren Marktanalysten, dass die Importe aus Argentinien eher ergänzend als konkurrierend wirken.
Das neue zusätzliche Kontingent von 80.000 Tonnen besteht hauptsächlich aus mageren Abschnitten (90 CL). Da US-Getreidebullen Trimmings mit sehr hohem Fettgehalt (ca. 50%) liefern, benötigen sie mageres argentinisches Rindfleisch zum Vermischen, um das „magere“ Hackfleisch herzustellen, das US-Verbraucher nachfragen. Dieser Prozess erhöht tatsächlich den Wert der inländischen US-Trimmings, ohne den Premium-Steakmarkt zu beeinträchtigen. Das amerikanische „Rindfleischdefizit“ wird durch eine schrumpfende heimische Herde verursacht.
Zum 1. Januar 2026 gilt:
- Gesamtbestand Rinder: 86,2 Millionen Tiere (der niedrigste Stand seit 1951).
- Abgesetzte Kälber: 32,9 Millionen (der niedrigste Stand seit 1941).
- Marktrealität: Hohe Preise verleiten Rancher dazu, Färsen zur Schlachtung zu verkaufen, anstatt sie zur Zucht zu behalten, was eine mögliche Erholung der Herde mindestens bis 2027 verzögert.
Die Preise auf dem nordamerikanischen Markt nähern sich Rekordständen:
- Leichte Mastkälber: ca. 10,00 US$/kg (Lebendgewicht).
- Schlachtreife Bullen/Ochsen: ca. 8,00 US$/kg (Schlachtkörpergewicht).
Während die Preise boomen, übersteigt das US-Handelsdefizit bei Rindfleisch inzwischen 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Diese Entwicklung wird 2025 einen symbolischen Meilenstein erreichen, da Brasilien voraussichtlich die USA als weltweit führenden Rindfleischproduzenten überholen wird. Während die USA mit knappen Beständen kämpfen, bleibt die globale Nachfrage außergewöhnlich hoch. Die Käufe aus Europa, dem Nahen Osten und Südostasien steigen parallel zu den Märkten in den USA und China. Für Exporteure wie Argentinien stellt das Jahr 2026 ein „goldenes Fenster“ dar, um hochwertige Märkte zu erobern, während die US-Produktion in diesem Jahr voraussichtlich um weitere 3,6% sinken wird.
Die Rindfleischpreise bewegen sich nahe an Rekordhöhen, bedingt durch eine starke Nachfrage und ein verringertes Angebot. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete am Freitag eine Proklamation zur Anhebung der zollbegünstigten Einfuhrkontingente für argentinisches Rindfleisch. US-Rindfleischpacker verlieren Geld, da das knappe Angebot an Rindern sie zwingt, höhere Preise für das Vieh zu zahlen, das sie zu Hamburgern und Steaks verarbeiten. Der US-Rinderbestand ist aufgrund einer anhaltenden Dürre, die Weideflächen austrocknete, auf den niedrigsten Stand seit fast 75 Jahren gefallen. Ein Stopp der US-Importe von mexikanischem Vieh hat das Angebot weiter verknappt, da Washington versucht, einen fleischfressenden Parasiten fernzuhalten.
Quelle: Euromeat.com